Tschüss Klosterberg – 90 Jahre Sportplatzgeschichte

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Am kommenden Sonntag, 22. April, geht ab 15.00 Uhr die 90-jährige Blatzheimer Sportplatzgeschichte mit den Spielen der 1. und 2. Mannschaft des SV-Blatzheim zu Ende.

Es sind die Abschiedsspiele auf dem legendären Klosterberg, der in vieler Hinsicht Geschichte geschrieben hat. Viele Vereinschroniken des SV-Blatzheim berichten über die Geschichte des Sportplatzes bzw. der Sportplätze in Blatzheim. Ebenso interessant sind die Funde im Archiv der Kolpingstadt Kerpen. Ein Dank an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Archivs für die Unterstützung.

Leider reichte die Zeit nicht, alle Dokumente zu sichten, um eine ausführliche Chronik zu verfassen. Daher hier nur eine Kurzfassung. Wer noch weitere Fakten, Daten, Anekdoten, Bilder o.ä. vom Sportplatz ergänzen möchte, meldet sich bitte bei redaktion@blatzheim-online.de.

Wenn der Sportplatz erzählen könnte, hätte er viel zu erzählen. Er würde mit Begeisterung von einigen Meisterschaften berichten, von unzähligen Siegen der Jugend- und Seniorenmannschaften und der „alten Herren“, aber auch von Niederlagen nicht nur vom SV-Blatzheim, sondern auch vom SC-Bergerhausen. Zu erwähnen sind ebenso die Leichtathletik-Wettkämpfe des TV-Blatzheim oder die Bundesjugendspiele der Schule, als Laufbahn und Sprunggrube noch benutzt werden konnten. Der Sportplatz würde auch auf jahrzehntelange Rechtsstreitigkeiten zurückblicken, die 2016 in eine Schießerei bei der Aufstiegsfeier mündeten. Vor allem würde der Sportplatz aber vom sagenhaften ehrenamtlichen Engagement vieler Vereinsmitglieder reden. Ohne das ehrenamtliche Engagement vieler Helferinnen und Helfer hätte es in Blatzheim nie einen Sportplatz gegeben.

Die Geschichte des Sportplatzes begann nach dem 1. Weltkrieg. In der Chronik zum 40-jährigen Jubiläum heißt es: „In Blatzheim wurden die ersten Fußballversuche nach 1918 gemacht. Damals waren es englische Besatzungssoldaten, die als erste gegen unsere Dorfjugend Fußball spielten.“  Doch es dauerte 10 Jahre bis sich der Fußball in Blatzheim festsetzte. 1928 traf sich der „Jünglingsverein“ in der alten Schule (heute Kunibertus-Haus) und bat Kaplan Fütling um Unterstützung bei der Gründung eines Fußballvereins. Der Verein trat der „Deutschen Jugendkraft“ bei und gab sich den Namen „Elmar Blatzheim“.

Der neue Verein stellte dann gleich einen Antrag beim Gemeinderat auf Überlassung einer Sportanlage. „Nach harter Auseinandersetzung“ – so die Chronik – überließ die Gemeinde Blatzheim dem Verein eine Fläche am Giffelsberger Weg an der Ecke zum „Feldweg nach Niederbolheim“, denn Häuser gab es in diesem Bereich noch nicht. Hierzu erwarb die Gemeinde das Land von Privateigentümern, allerdings gab es kein Geld für einen Sportplatz, denn damals wie heute war die Gemeindekasse – so wie heute die Stadtkasse – leer. So legten die jungen Fußballer selbst Hand an und schufen in wochenlanger, mühevoller Arbeit den ersten Sportplatz in Blatzheim, der im August 1928 unter Teilnahme des ganzen Dorfes eingeweiht wurde. In den Folgejahren stößt man im Stadtarchiv immer wieder auf Anträge für Zuschüsse oder Rechnungen, mal war es ein Tor, mal war es eine Zaunanlage.

In der Nazi-Zeit musste der Verein umbenannt werden und nennt sich seitdem „Spielverein Blatzheim“ (SV-Blatzheim). Bis 1938 gab es übrigens auch einen Fußballverein in Niederbolheim. Auch dort gab es einen selbst errichteten Sportplatz, oder eine Fläche, auf der man spielen konnte.

Während des 2. Weltkrieges ruhte überwiegend der offizielle Fußballbetrieb, doch direkt nach Kriegsende wurde das Fußballspielen wieder aufgenommen. Damals wie heute rückte die Bebauung dem Sportplatz immer näher. Aber es gab auch andere Probleme, wie ein Schreiben aus 1933 der damaligen Kreiswerke belegt. Am Sportplatz stand eine Trafostation und die Leitung wurden schon mal mit dem Ball getroffen, so dass „einige Zuschauer erhebliche Schläge erhielten“.

1950 musste dann der Sportplatz der Bebauung weichen und die Gemeinde Blatzheim stellte das heutige Gelände am „Klosterbusch“ zur Verfügung. Wie eine Karte aus 1969 zeigt, war rund um den Sportplatz weit und breit keine Bebauung zu sehen, nur die Schule und die Häuser der Elisabethstraße sind zu erkennen, noch keine Bebauung am Buschweg, Im Bungert oder in der Kunibertusstraße. Auch 1950 gab es kein Geld aus der Gemeindekasse und schon wieder packten die Mitglieder des SV-Blatzheim selbst an und wurden von Landwirten unterstützt, um aus Ackerland einen Sportplatz zu machen. Auch der TV-Blatzheim war am Bau beteiligt, denn es gab auch eine Laufbahn und eine Sprunggrube. Zur Finanzierung der Baumaterialien musste sich der Verein sogar einen Kredit aufnehmen.

Immer wieder findet man im Archiv auch für die Folgejahre Anträge für die Erweiterung bzw. Vervollständigung der Anlage.

Die Kosten für die Herrichtung wurden immer wieder vom SV-Blatzheim übernommen. Hierfür wurden dann immer wieder Zuschussanträge an die Gemeinde Blatzheim, an den Sportverband oder andere gestellt. So gab es 1955 einen Jahreszuschuss von 100 Deutsche Mark für die Unterhaltung des Sportplatzes.

In den 60-Jahren des letzten Jahrhunderts wurde ein Ballfangzaun zur Kunibertusstraße errichtet, weil dort neben der Schule die ersten Häuser entstanden waren und Scheiben zu Bruch gingen konnten. Hier gab es sogar einen Zuschuss durch die Bezirksregierung, aber da die Blatzheimer nicht warten konnten und mit dem Bau angefangen hatten, bevor der Förderbescheid da war, musste das Geld wieder zurückgezahlt werden. Allein dieser Vorgang füllt im Stadtarchiv einen ganzen Schnellhefter. Die Bürokratie lebte sich auch in diesen Jahren schon aus. Ähnliches passierte 1973 mit der Flutlichtanlage. Selbst zur Aufstellung von Hinweisschildern bedurfte es 1971 einen Beschluss des Gemeinderates.

1972 kam die Flutlichtanlage hinzu. 1988 baute der SV-Blatzheim in Eigenleistung mit Unterstützung des SC-Bergerhausen das heutige Sportlerheim. Die Stadt stellte das Material zur Verfügung.

1957 gründete sich der SC-Bergerhausen, der dann auch auf dem Sportplatz mitspielte. Auch die Bundeswehr spielte in den 60er Jahren auf dem Sportplatz. Selbst die Thekenmannschaft der Gaststätte „Zur Post“ aus der Hauptstraße 44 in 5159 Blatzheim stellte einen Nutzungsantrag, doch dieser wurde durch den Gemeinderat 1968 abgelehnt, da der Platz ausgelastet war.

1969 stellte der SC Bergerhausen sogar den Antrag auf einen eigenen Sportplatz in Bergerhausen, der aber vom Gemeinderat auch abgelehnt wurde.

Durch die starke Nutzung kam es wie es kommen musste: Der Rasenplatz glich immer mehr einem Acker. So wurde der Platz 1985 durch die Stadt Kerpen in einen Aschenplatz umgewandelt.

2001 baute der SV-Blatzheim die ehemalige Sprunggrube zu einem Beach-Soccer/-Volleyball-Platz um. Doch das Interesse an dieser Anlage war nur von kurzer Dauer. 2004 erfolgte eine komplette Sanierung des Platzes, da durch die starke Nutzung Steine aus der Untergrund hervorkamen. 2008 wurde der Unterstand durch einen Brand und einen folgenden Orkan zerstört. Auch jetzt wurde wieder in Eigenleistung der neue Unterstand gebaut und 2009 eingeweiht.

In den 80er Jahren begann dann ein immerwährender Rechtstreit über Lärm- und Staubbelästigungen mit einem Anlieger, die 2016 ein jähes Ende nahmen, als der 83-jährige Beschwerdeführer mit einer Pistole auf der Meisterschaftsfeier um sich schoss und den Vorsitzenden an der Hand schwer verletzte. Der Schütze verstarb kurze Zeit später.

Ende der 90er Jahre begannen auch auf Grund der Rechtsstreitigkeiten die Überlegungen und Planungen zur erneuten Verlegung des Sportplatzes.

Zuerst gab es die Idee, den Sportplatz in die Nähe des Grillplatzes (quasi auf die andere Seite des Buschweges) zu verlegen. Dies fand jedoch keine Mehrheit. 2003 hat der Stadtrat dann einstimmig den Bebauungsplan „Lechenicher Weg“ beschlossen, der eine Verlegung des Sportplatzes an den Giffelsberger Weg am Rande der Kiesgrube vorsah und eine Bebauung des Sportplatzes. Ohne Zustimmung des Rates hatte der damalige Stadtdirektor schon die notwendige Fläche gekauft bzw. gepachtet. Zur Umsetzung des Planes ist es aber nie gekommen, da sich kein Investor fand, der mit dem Erlös aus dem Baulandverkauf des alten Sportplatzes einen neuen Sportplatz und ein neues Sportlerheim bauen wollte und auch die Stadt – wie immer – keine finanziellen Mittel hatte.

So vergingen weitere Jahre und der Zustand des Aschenplatzes verschlechterte sich stetig und die Rechtstreitigkeiten hörten nicht auf.  Mit der Umsiedlung von Manheim begann 2013 eine neue Diskussion. Am 21.11.2013 berichtete Blatzheim-Online:

„Mehr als überrascht war CDU-Fraktionsvorsitzender Klaus Ripp, dass gestern im Bürgerbeirat in Manheim auch über die Zukunft des Sportplatzes in Blatzheim gesprochen wurde. Diskutiert werden sollte über den Neubau des Bürgerzentrums und der Sportanlage in Manheim-neu, doch in der öffentlichen Vorlage der Verwaltung, die erst kurz vor Sitzungsbeginn verteilt wurde, stand dann der Vorschlag der Verwaltung, zur Finanzierung der Mehrkosten für einen Kunstrasenplatz in Manheim-neu, den Sportplatz in Blatzheim als Bauland zu verkaufen. Der SV-Blatzheim soll dann künftig in Manheim-neu spielen und trainieren. Weder mit dem SV-Blatzheim noch mit Ortsvorsteher Albert Weingarten wurde darüber seitens der Verwaltung vorab gesprochen. Diese Vorgehensweise ist für die CDU, wie sie in einem Brief an die Bürgermeisterin schreibt, nicht akzeptabel. ‚Es darf aber nicht sein, dass ein Stadtteil incl. Schule, Jugendzentrum u.a. Einrichtungen offensichtlich keine Möglichkeit mehr haben soll, vor Ort Außensport zu betreiben. … Ich bin mir sicher, dass es Lösungen gibt, die alle Beteiligte mittragen können und von denen alle profitieren. Diese erreicht man aber nur, wenn man sich mit den Beteiligten zusammensetzt und nicht in der jetzt praktizierten Art‘, so Ripp.“

Es begannen lange Diskussionen und Gespräche zwischen Politik und Verein. In Absprache mit dem Verein hat dann der Stadtrat am 01.07.2014 einstimmig beschlossen, den Sportplatz in Blatzheim aufzugeben und dafür in Manheim-neu einen Kunstrasenplatz statt eines Aschenplatzes zu bauen. Der SV-Blatzheim wird dort gleichberechtigter Nutzer neben dem Manheimer Sportverein sein. In Blatzheim wird ein neues Kleinspielfeld für Kinder- und Jugendliche, Schule und andere Nutzer gebaut. Der Sportplatz soll bebaut werden.

Hierfür wurde dann im September 2017 der Bebauungsplan aufgestellt, der die Bebauung des Sportplatzes bis zum angrenzenden Feldweg vorsieht. Auf der freien Fläche bis zur Kiesgrube soll eine Fläche als Bolzplatz ausgewiesen werden. Für die Realisierung des Bolzplatzes stehen 150.000 Euro im Haushalt zur Verfügung.

Auch hier gab es wieder heftige Diskussionen: Die CDU hat beantragt, diese Fläche nicht nur als Bolzplatz, sondern als Sportplatz auszuweisen, um später die Möglichkeit zu haben, in Blatzheim wieder einen Sportplatz zu errichten und sich diese Möglichkeit zu verbauen. Wer in die Geschichte blickt, weiß nie, wie sich die Zukunft entwickelt und ob nicht wieder in einigen Jahren Frauen und Männer da sind, die in Eigenleistung (mit Sponsoren) einen eigenen Platz bauen wollen. Dies ist momentan nicht in Sicht, aber diese Möglichkeit sollte man sich nach Auffassung der CDU offen halten.

Doch dieser Antrag wurde bei der Aufstellung des Bebauungsplans in der vom Vertreter der Grünen aus Blatzheim beantragten geheimen Abstimmung mit knapper Mehrheit abgelehnt. Auf die weiteren Schritte im Bebauungsplanverfahren wird dies sicher weiter diskutiert.

Bilder vom Sportplatz:

Dokumente zum Sportplatz

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